Thorium vergiftetes Glas "reinigen"

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    • Thorium vergiftetes Glas "reinigen"

      Zu meinem Glück mit der Pentax 6x7 fehlte mir noch das Normalobjektiv 1:2,4/105mm. Auf einem Flohmarkt konnte ich für wenige Euros ein sehr zerschundenes Exemplar des selbigen ergattern: Verdellter Frontring, starke Lackspuren, und ein Glas als ob man in eine Kaffeekanne schauen würde, wobei die Linsen ansich in gutem Zustand und Kratzfrei waren.

      Ich hab's dennoch gekauft.
      Natürlich produzierte das starke gelb/braun Filter einen entsprechenden Farbstich auf Farbfilm, und auch bei S/W wirkte er sich mit einer guten Blende Lichtverlust aus
      .


      Also einmal Tange Google angeworfen, und siehe da, es scheint eine Lösung zu geben: Einfach drei Wochen in Sonnenlicht baden, die UV Strahlung machts wieder gut.

      Drei Wochen!! Nichts für ungeduldige Georgs.

      Dann fand ich dieses youtube video:

      youtube.com/watch?v=3CAaSgK6WsE

      Die Lampe kommt mir doch sehr bekannt vor! Da habe ich doch in der Firma mehrere davon.

      Also, einmal "Jansjö" mitgenommen und in die Dunkelkammer verfrachtet.

      Aufgrund des größeren Linsendurchmessers beim 6x7 Objektiv musste die Lampe etwas weiter weg von der Hinterlinse, um auch wirklich die gesamte Linse auszuleuchten.

      Und nun leuchtete das kleine Lämpchen.
      Nach einem Tag: Bilde ich mir das ein, oder ist es wirklich weniger geworden?
      Nach zwei Tagen: Wow, meine weißen Wände wurden doch nicht braun gestrichen!

      Und so sieht das Objektiv nun nach drei Tagen "Lichttherapie" aus:



      Ja, eine leichte Gelbverfärbung ist noch da, sie wird auch sichtbar wenn man sich dieses Objektiv an ein Auge, und ein anderes ans andere Auge hält .
      Allerdings ist die Verfärbung inzwischen so gering, dass sie selbst auf Diafilmen nur noch zu einem ganz leicht wärmeren Farbeindruck führt, und nicht mehr zu der braungefärbten Sauce wie zuvor.

      Hinter welchem wissenschaftlichen physikalischen Hintergrun die LED die Färbung entfernen konnte, kann ich nicht sagen.

      Aber, es ist auf jeden Fall einen Versuch wert für alle, die unter gelben Takumaren und anderen Thorium-dotierten Linsen leiden.
      Dateien
      • davor2.jpg

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    • Re: Thorium vergiftetes Glas "reinigen"

      "Bastian Schramm" schrieb:


      Das Glas. Dort ist Thoriumdioxid eingeschmolzen, welches sich anscheinend unter Lufteinfluss oder Einfluss von etwas anderm verändert, so dass es braun/gelb wird.


      Es ist der Einfluß des radioaktiven Zerfalls des Thoriums. Da der relativ langsam vor sich geht, dauert es auch ziemlich lange.

      Gruss

      Christian
    • Re: Thorium vergiftetes Glas "reinigen"

      Die Ursache für die Wirkung der LED Lampe ist der verhältnismäßig recht hohe UV Anteil bei diesem Model. Dazu gibt es im Netz auch schon einen Tipp in Schriftform. Ein ähnlicher Tipp lautet, einen günstigen Nagellack-Härtungslampe zu kaufen, den Boden zu entfernen und damit das Objektiv zu bestrahlen.

      Gruß
      Christian
    • Re: Thorium vergiftetes Glas "reinigen"

      Hallo,
      Thorium 232Th ist überwiegend ein Alphastrahler mit einer Halbwertszeit von 14 Milliarden Jahren. Daneben wird auch wenig Gammastrahlung emittiert. Durch die Alphateilchen kommt es zur Bildung von Isotopen anderer Element, die in dem Glas sind. Die können wiederum Gammastrahler sein. Auch unter den Zerfallsprodukten von Th befinden sich teils harte Gammastrahler. Gammastrahlung kann in Kristallen und Festkörpern Elektronen aus ihren herausschlagen, die dann eine Lichtabsorption bewirken. UV-Licht oder Wärme bringen die energie auf, damit die Elektronen an ihren Stammplatz zurückkehren können. Die Bayling-Methode mit dem Hammer ist äußerst kritisch, da man dann den Staub einatmet. Eine Gesundheitsgefährdung beim gebrauch von Objektiven ist aber nicht gegeben. (Hoffentlich hat das jetzt kein Physiker gelesen, ich bin nämlich nur Chemiker).
    • Re: Thorium vergiftetes Glas "reinigen"

      "Georg Burdicek" schrieb:

      d.h. ich muss wirklich damit rechnen dass sich in 4-5mrd Jahren die Dispersion des Glases merklich ändert?
      Ja, insbesondere in dem Augenblick, wo unsere Sonne zum roten Riesen wird.
    • Re: Thorium vergiftetes Glas "reinigen"

      "Peter Felsen" schrieb:

      eher schad um die wiese. einen alpha-strahler würd ich nicht fein pulverisiert im garten und in meinen haaren, gewand verstreut haben wollen. eigentlich nicht mal ganz normale glassplitter :/


      Das war auch das, was ich so gedacht habe. Auf u-tupp gibt ein schönes Video, wo einer mit dem Geigerzähler die Objektive ausmisst. Da schüttels einen. Aber sooo viel kommt da nicht raus. Den radioaktiven Glasstaub im Garten zu haben und bei Sturm mir über die Terrasse wehen zu lassen, hätte ich auch keine Lust. Ohne da den Teufel an die Wand zu malen - aber ob der Herr da seine Enkel guten Gewissens im Gras spielen lassen kann? Naja, jedem Tierchen sein Blessierchen.

      Gruß.
    • Re: Thorium vergiftetes Glas "reinigen"

      "Jochen Mühlemeier" schrieb:

      Hallo,
      Thorium 232Th ist überwiegend ein Alphastrahler mit einer Halbwertszeit von 14 Milliarden Jahren. Daneben wird auch wenig Gammastrahlung emittiert. Durch die Alphateilchen kommt es zur Bildung von Isotopen anderer Element, die in dem Glas sind. Die können wiederum Gammastrahler sein. Auch unter den Zerfallsprodukten von Th befinden sich teils harte Gammastrahler. Gammastrahlung kann in Kristallen und Festkörpern Elektronen aus ihren herausschlagen, die dann eine Lichtabsorption bewirken. UV-Licht oder Wärme bringen die energie auf, damit die Elektronen an ihren Stammplatz zurückkehren können. Die Bayling-Methode mit dem Hammer ist äußerst kritisch, da man dann den Staub einatmet. Eine Gesundheitsgefährdung beim gebrauch von Objektiven ist aber nicht gegeben. (Hoffentlich hat das jetzt kein Physiker gelesen, ich bin nämlich nur Chemiker).


      Endlich jemand vom Fach - es muß nicht nur UV-Licht, es kann auch sichtbares Licht sein, um die Verfärbung umzukehren. Allerdings verträgt Mikroelektronik gerade deshalb die ionisierende Strahlung nicht so besonders, und es muß ja nicht gleich der Sensor einer Digitalkamera sein, der dann Hot Pixel abbekommt, sondern es können auch die ICs eines Autofocus oder der Matrixmessung den Geist aufgeben.

      Und Neopan 1600 würde ich auch nicht zu lange in der Kamera lassen.
    • Re: Thorium vergiftetes Glas "reinigen"

      "Juergen Niebecker" schrieb:

      Da das Thorium im Glas eingeschmolzen ist, tritt nur Alpha-Strahlung nach außen, die direkt an der Glasoberfläche entsteht. Doch Alphastrahlung läßt sich schon durch ein etwas stabileres Blatt Papier abschirmen. Die ist also nicht das Problem. Problematischer ist die Gammastrahlung sowie die Betastrahlung, die durch Zerfallsprodukte entsteht, sowie möglicherweise die Röntgenstrahlung (Bremsstrahlung)

      Ob die Strahlung, egal welcher Art, allerdings so stark ist, daß die tatsächlich Elektronik in Mitleidenschaft zieht oder den Film in der Kamera beschädigt, wage ich eher zu bezweifeln.


      Das knattert schon ganz ordentlich im Geigerzähler, der ja ohnehin nur Beta- und Gammastrahlung mißt - man darf nicht vergessen, daß sich die Zerfallsprodukte ja mit der Zeit ansammeln und viel aktver sind als das Thorium.

      Man soll das Schicksal halt nicht herausfordern - einer FM2 ist es wurst. Allerdings glaube ich mich zu erinnern, daß dem Tschernobyl-Fotoveteranen Igor Kostin drei elektronische Nikon-Gehäuse ausfielen.

      ww1.photoscala.de/Artikel/Radi…otografierend-feststellen

      (die Digitaldensoren können da aber sehr nachtragend reagieren, weshalb Neopan 1600 das bessere Dosimeter abgäbe).