Warum gabs kein Blitzgerät, wo man die Entfernung direkt einstellen kann?

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    • Warum gabs kein Blitzgerät, wo man die Entfernung direkt einstellen kann?

      Oder ist mir all die Jahre sowas nur nie über den Weg gelaufen?

      Hintergrund:
      Das in der Praxis sehr gut funktionierende Prinzip der Blitzleistungssteuerung anhand der elektronisch übermittelten Entfernungsdaten des Objektivs hat die Mamiya ZE-X ja 1980 vorgemacht. Erst spät haben Nikon und Minolta das in den 90ern mit ins TTL-Blitzinnenmess-System integriert.
      Die Übermittlung der am Blitz eingestellten Blende direkt in die Kamera war in den 80ern schon oft anzutreffen und Metz oft damit sogar voraus.

      Warum ist nie einer auf die Idee gekommen, die eingestellte Entfernung vom Objektiv manuell auf das Blitzgerät zu übertragen?
      Hätte oft TTL gespart und der Blitz wäre universell verwendbar. Man könnte mit jeder beliebigen Blende blitzen, das Gerät regelt die Leistung entsprechend der Entfernung runter.

      Oder gibts sowas doch? Die Leistungssteuerung war bei einigen besseren Geräten nur mit grob gerasterter Runterregelung der Leitzahl (1/2, 1/4 usw.) verfügbar. Das ist aber eine ziemlich unpraktische Krücke.
    • Servus Dirk,

      Dirk Münchgesang schrieb:

      Warum ist nie einer auf die Idee gekommen, die eingestellte Entfernung vom Objektiv manuell auf das Blitzgerät zu übertragen?
      diese Frage kann ich dir nicht beantworten, wohl aber möchte ich erwähnen, dass es eine manuelle Übertragung der am Objektiv eingestellten Entfernung schon einmal gab, allerdings zu einer Zeit, als die Blitze nichts anderes konnten als eben entsprechend ihrer Leitzahl die volle Ladung abzublitzen.

      Ich spreche von der CAT-Blitzautomatik (Canon Auto Tuning Verfahren) der 70er-Jahre, mit der entsprechend der eingestellten Entfernung zwar nicht der Blitz, wohl aber die Blende des Objektivs gesteuert werden konnte, wenn auf das Bajonett vorn am Objektiv nicht die Gegenlichtblende, sondern einer von 2 Objektivkupplungsringen (A2 oder B2 genannt) gesetzt und mit dem speziellen Canon Blitzgerät über ein Kabel verbunden wurde. Dieses sitzt auf einem speziellen Mittenkontakt, über den der Kamera die eingestellte Entfernung und der Ladezustand des Blitzes übermittelt werden, sodass diese via Blendenautomatik darauf reagieren kann. Natürlich nur, wenn sie über so eine Automatik verfügt, wie eben die Canon EF, die "black beauty"!

      Dieses System ist auch der Grund dafür, weshalb die älteren FD Normallinsen (und auch die 35er) am vorderen Rand des Entfernungseinstellringes einen Noppen haben, der in die besagten Objektivkupplungsringe einrastet und mit seiner Bewegung die eingestellte Entfernung übermittelt.

      Ich weiß nicht, wie gut das alles funktioniert hat, schließlich wurde ja nicht Licht gemessen, sondern dem Fotografen nur die Leitzahlrechnung abgenommen für den Frontalblitz auf dem Mittenkontakt, ohne Rücksicht auf die räumlichen Verhältnisse. Jedenfalls war die Übertragung der Entfernung nicht gerade elegant und nur für wenige FD Linsen möglich. Als in den späten 70er Jahren die Blitzgeräte steuerbar wurden, hätte man wohl die Chance gehabt, den Blitz selbst statt der Blende zu steuern (und das ganze also auch für Kameras ohne Blendenautomatik zu ermöglichen), aber da gab es halt dann auch schon die Möglichkeit seine Wirkung zu messen und ihn sich selbst steuern zu lassen.

      Die erwähnten Objektivkupplungsringe scheinen übrigens ein recht seltenes Zubehör gewesen zu sein, ich habe erst einmal (!) einen im Paket mit einer Kamera auf ebay angeboten gesehen, und da hat der Verkäufer offenbar gar nicht gewusst, was er da anbietet ...

      Grüße, Karl
    • Die Leistungssteuerung mittels Entfernungskala am Blitzgerät gibt gab es nicht, wohl aber eine Blendensteuerung im Objektiv abhängig von der eingestellten Entfernung. Die Blende wird also in Abhängigkeit von der Entfernung verändert, man geht dabei davon aus das dass Blitzgerät dabei immer mit der gleichen Leitung arbeitet. Das Objektiv war das 45er GN - Nikkor und wurde Anfang der 70er hergestellt. Die Technik hat sich aber nie weiter verbreitet. Ab 1975 gabs die ersten "Computerblitze" bei denen die Leistungsabgabe für den Tri-X hinreichend genau über eine Fotozelle geregelt wurde. Erst hatten dann alle den Rolleiblitz E36RE und dann kam der Metzblitz CT45 auf, der den Vorteil hatte das die Messzelle nicht mitgeschwenkt wurde und man damit auch "Computergesteuert" indirekt blitzen konnte.
    • Spätestens ab Mitte der 70er hätte man das doch gar nicht gebraucht, weil es dann Blitze mit Computerblende und Thrysistorsteuerung gab. (Bereits bei den alten Polaroid Land-Kameras gabs eine Art geistige Vorläufversion davon. Die Kamera misst über einen Fotowiderstand kumulativ die Belichtung und schließt den Verschluss wenn die richtige Belichtung erreicht ist. Die Kamera liefert daher sowohl mit Blitzbirnen, als auch bei Dauerlicht automatisch die richtige Belichtung – gleichzeitig simpel und schlau.) Vorher waren die Blitze in ihrer Leistungsabgabe sowieso unreguliert. Das ist in der Praxis aber kein Problem, denn Blitze haben doch meist eine simple Tabelle auf der Rückseite, auf der man innerhalb von 5 Sekunden die richtige Blende zur eingestellten Distanz ablesen kann.
    • Das ist in der Praxis aber kein Problem, denn Blitze haben doch meist eine simple Tabelle auf der Rückseite, auf der man innerhalb von 5 Sekunden die richtige Blende zur eingestellten Distanz ablesen kann.
      Das ist ja das Grundproblem. Die Leitzahl ist fix, der Blitz ballert immer mit voller Leistung. Bei nahen Entfernungen ergibt das unerwünschtes starkes Abblenden. Wenn man aber offenblende oder z.B. mit Blende 2,8 blitzen will, kann man nur an einigen "neueren" Blitzgeräten über 1/2, 1/4, 1/8 usw bis teilweise 1/32 die Leistung runterregeln. Das ist aber wieder mit arger Rechnerei verbunden.

      Gerade Drittanbieter mit ihren nur Mittenkontakt-Blitzen, die es in den 80ern wie Sand am Meer gab, hätten das mit der Entfernung doch machen können.

      Der Computerblitz löst das Problem auch nicht, weil er bei billigen Geräten meist nur 1 oder 2 Blenden je nach ISO des Films zuließ. Nur bei teureren Geräten waren mehr blenden drin. Aber auch dort stellt sich das Problem, daß die Blende wegen der Filmenmpfindlichkeitsabhängigkeit nicht beliebig weit offen gewählt werden kann.
      Graufolien vorm Blitz ginge auch, aber bitte, das ist doch kaum praxisgerecht.

      Braun hatte mal Vario Power-Blitze, bei denen eine höhere Filmempfindlichkeit auch wirklich in die Reichweite ging und nicht Zwangsabblendung erforderte. (Die 340er Blitze haben sehr zuverlässig arbeitende eigene Meßzellen, die unabhängig von der eingestellten Filmempfindlichkeit die Computerblenden 4 und 8 zur Verfügung stellen). Aber auch das ist nur eine Krücke im Vergleich zur direkten Einstellung der Entfernung..
    • Klar konnten die das. Gerade der erwähnte Braun 340 aus den frühen 80ern beweist das. Auch ist seit Ende der 70er TTL-Blitz möglich. Da wird ja auch die Blitzleistung geregelt.
      Schon alleine das manuelle Runteregeln der Leistung an Blitzgeräten ist weiterer Beweis.
      Die Leistungsregelung mit der eh schon eingegebenen oder übermittelten Blende simpel an eine stufenlose Entfernungseingabe per damals so beliebten Schieberegler gekoppelt und fertig wäre der Lack gewesen.
    • Ich weiß ehrlich nicht was wir hier diskutieren. Automatisches Blitzen war durch die Einführung von Computerblitzen ab Mitte der 70er möglich, die Berechnung über die Entfernung hat sich schlicht nicht durchgesetzt (siehe CAT), weil die Messung der Belichtung mit einem entsprechenden Bauteil praktikabler und zuverlässiger funktionierte.

      Ein Blitz wie der Canon 199A macht doch genau was du willst: Man stellt einen von drei Entfernungsbereichen ein, die passende Blende wird an die Kamera übermittelt (oder man muss sie einstellen) und in dem Bereich regelt der Blitz automatisch die Belichtung, in dem er das vom Objekt zurückgeworfene Licht misst. Das heißt, die Blitzlampe wird gezündet, die Belichtung wird kumulativ gemessen und wenn die richtige Belichtung erreicht wird der Blitz automatisch abgeschaltet.
    • Bastian Schramm schrieb:

      Ich weiß ehrlich nicht was wir hier diskutieren. Automatisches Blitzen war durch die Einführung von Computerblitzen ab Mitte der 70er möglich, die Berechnung über die Entfernung hat sich schlicht nicht durchgesetzt (siehe CAT), weil die Messung der Belichtung mit einem entsprechenden Bauteil praktikabler und zuverlässiger funktionierte.

      Ein Blitz wie der Canon 199A macht doch genau was du willst: Man stellt einen von drei Entfernungsbereichen ein, die passende Blende wird an die Kamera übermittelt (oder man muss sie einstellen) und in dem Bereich regelt der Blitz automatisch die Belichtung, in dem er das vom Objekt zurückgeworfene Licht misst. Das heißt, die Blitzlampe wird gezündet, die Belichtung wird kumulativ gemessen und wenn die richtige Belichtung erreicht wird der Blitz automatisch abgeschaltet.
      Nochmal: Es geht darum, einen simplen universal-Blitz(!)-geeigneten Weg nicht genutzt zu haben, um alle Blenden nutzen zu können. Nämlich einfließen lassen der Entfernung durch dessen manuelles übertragen.
      Also Wegfall der Tabelle am Blitz und deren Ersatz durch Eingabe der Entfernung. Den Rest rechnet der Blitz mittels simpler "Tasschenrechnerelektronik" selber aus und dimmt die Leitzahl.
      Man ist quasi auf 3/4 des Weges urplötzlich stehen geblieben und hat den letzten Schritt nicht getan und blieb bei der einfallslosen, einschränkenden Tabelle.

      Lösung wäre gewesen: Blende einstellen/oder von Kamera einstellen lassen, Empfindlichkeit einstellen/oder lassen und Entfernung manuell. Blitzen. Fertig, gutes Foto, glückliche Nutzer.

      Ob es da wie bei Canon, Mamiya oder sehr viel später Nikon und Minolta da spezielle Hauslösungen gegeben hat, ist auch nicht der Punkt.

      Es geht auch nicht um die bei der Blendenzahl meist sehr eingeschränkten Computerblitze, die bis auf wenige Ausnahmen bei höher Filmempfindlichkeit auch noch ungünstig zum weiter abblenden zwingen, anstatt die Reichweite zu erhöhen. Das wäre auch ein Thema, aber ein Anderes um Computerblitze und deren Schwächen und führt hier insgesamt am Thema vorbei. So gab auch hauseigene Computerblitzlösungen, bei denen Jede Blende erlaubt war (Yashica usw.)

      Zumindest hat der Thread aber bisher kein eventuell existierendes Blitzgerät zu Tage gefördert. Könnt ja sein, daß mir sowas bisher nur nicht über den Weg gelaufen ist. Es gibt so exotische Sachen in der Welt....