Schärfetest MF-Kameras bzw. Optiken

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    • Jeder hat ja so seine Prioritäten.
      Wenn es Dir so auf Details und Schärfe ankommt würde ich mir an Deiner Stelle
      den Aufwand umfangreicher Testaufbauten sparen. Im besten Fall bekommst Du
      den Grund für Deine Beobachtung heraus.

      Die Planlage, das Auflagemaß, Bewegungsunschärfen(!), Mattscheibenjustierung, Reflexe im
      Gehäuse und noch einige Faktoren mehr können eine Rolle für Deine Beobachtung spielen.

      Ich hab vor Jahren mal selbst mit so einer Auflösungstesterei experimentiert.
      Das kostet viel Zeit und wenn du am Ende feststellst daß es eben so ist wie Du
      beobachtet hast bringt es Dich auch nicht weiter.

      Der Tip mit dem gleichen Film in zwei Kameras erscheint mir noch am Effektivsten
      wenn Du unbedingt testen willst.

      Am Ende steht auch die Frage, ob es Dir primär um "Schärfe" (subjektiver Eindruck) oder
      reales Auflösungsvermögen geht. Ich hab schon so verwaschene Aufnahmen gesehen die aber
      auf den zweiten Blick unendlich viele Details beinhalteten. Genauso umgekehrt.
      In Wirklichkeit passiert die ganze Zeit gar nichts - Jim Rakete 2007

      Bilder
    • Wolfgang Heeren schrieb:

      ... alle Aufnahmen auf den selben Film...
      An Chargenstreuungen habe ich primär nicht gedacht. Aber Du hast damit trotzdem Recht! Auch Qualitätsfilme sind davor nicht sicher. Und noch deutlicher merkt man das bei Fotopapier. Mein Hintergedanke war, dass ich mir von dem Ergebnis nicht allzuviel verspreche (außer Lerneffekt und Experimentierlust, was auch schön ist), und man dafür nicht gleich 3 Filme verbraten muss.

      Gruß, Manfred
      Allerlei technische Tipps zur SW-Fotografie unter: http://www.anzinger-online.de/Foto/
    • #18
      Ah, alles klar.
      Auf die Chargenstreuungen kam ich, weil ich dieses Problem aus der chemischen Produktionstechnik kenne, wo 'Korn'größenschwankungen oft ein tägliches Thema der Anlagenbetreuer sind. Somit müsste es also auch Variationen in der Größenverteilung von Partikeln im 'Silberfilm' geben, ergo also Auflösungs- und/oder Empfindlichkeitsschwankungen von Charge zu Charge....

      Gruß
      Wolfgang
    • Nochmals Danke, Rolf,

      für Deinen Gedanken-Anstoß - und Deinen Hinweis auf die "subjektive BEtrachtungs- und Erfahrungsweise".


      Meinerseits nur ein kleines BEispiel dazu: Anfangs habe ich viele Hasselblad-Negative auf Agfa Portriga-Rapid im Format 50x50cm vergrößert - anstatt auf Record-Rapid - oder heute halt Ilford Baryt MG WArmtone.

      Das Portriga-Rapid wirkt allerdings "weniger scharf"; ein genaues Hinsehen zeigt aber doch, dass die Vergrößerungen wirklich scharf sind.

      Und dennoch nehme ich heute auch gern mal ein Blatt Foma, Fomatone Classic 532 II NAture; ein phantastisches Papier,d as sie dort aber nicht mehr herstellen [können].


      Jan-Peter
    • Ja, Nick,

      das ist allerdings eine "PErspektiven-Frage"; heißt:

      - Ja, ist [brutto- / absoluten] Ist-Ergebnis; aber

      - diese Variabilität kann man aber auch als Konstante "wegrechnen" - und damit zu einem ["Netto"-] Ergebnis gelangen, dass dann wiederum "intersubjektive" Vergleichbarkeit erlaubt.

      Die Frage wendet sich also in etwa so: Im persönlichen Ist-ergebnis, ja; in einer intersubjektiven Reihe, nein, weil sich die "Fehler" herausrechnen ließen.


      Durch ein Angebot eines Foren-Kollegen bin ich hier nochmals auf die ZEnza-Bronica ETR aufmerksam geworden. - Als mir damals der Foto Bantle in Ravensburg jene drei Mittelformat-Kameras in die Hand drückte, eine Mamiya RB 67, sie war riesig und riesig schwer, eine HAsselblad 500 CM, die war leicht und handlich - und eine Zenza BRonica ETR, die war zierlich, vielleicht etwas "fummelig" - da habe ich eben mit dieser Zenza ETR und dem Macro-105mm, leichtem Tele, einen Agfapan 25 Rollfilm belichtet, entwickelt - und die Aufnahme vergrößert.


      Diese Vergrößerungen, auf 30x40cm, waren tatsächlich knackscharf; - und das hebt wieder das hervorragende Niveau solcher / aller dieser seriösen hersteller hervor!



      Wird denn Zenza noch irgendwo repariert - und: Wie steht es mit deren Eöektronik??


      Allen einen schönen Abend!
      Jan-Peter
    • Jan-Peter Raspe schrieb:

      Agfa Portriga-Rapid im Format 50x50cm
      Wenn ich das lese, kommt bei mir so der Verdacht hoch, dass mein Eindruck (auch) von der Benutzung unterschiedlicher Papiere verursacht sein könnte. Darauf war ich noch gar nicht gekommen.

      Nachdem ich wieder angefangen habe zu vergrößern, habe ich zunächst ausschließlich Foma-Festgradationspapiere PE glänzend genommen. Danach habe ich dann Baryt ausprobiert, auch überwiegend Foma, aber auch mal Kentmere und Adox, zunächst kleine Formate, aber dann bis 50 x 60. Später dann bin ich auf Multigrade umgestiegen, sowohl im PE- als auch im Barytbereich, und fast immer Foma, und PE immer glänzend.

      Erst in letzter Zeit habe ich mal was anderes als glänzend probiert, das Foma matt und eine uralte Charge Ilford Semimatt (also totmatt). Die Aufnahmen sind von den Mamiyas, und sie wirken eben nicht so scharf. Alles sehr subjektiv: Wenn man näher rangeht, sieht man, dass in der Ferne alles superscharf ist. Man vermisst nur in der Nähe ein gewisses Maß an Schärfe bei fein ziselierten Objekten (Tannennadeln o. ä.). Merkwürdiger Effekt.

      Mein Eindruck könnte also auch am Papier liegen. Da ich aber keine wirklich vergleichbaren Aufnahmen habe, müsste ich mal sowas machen und dann auf glänzendes und mattes Papier abziehen, zumindest jeweils einen Ausschnitt.

      Grüße
      Rolf
    • wie bereits Joerg Offerhaus in seinem Beitrag schrieb gibt es damals wie heute mittelklassige, scharfzeichnende und besonders scharfzeichnende, ja fast schon Ausnahmeobjektive.

      habe mal die Tests von Fotomagazin als Anhaltspunkt herausgekramt ( Bewertung nur optische Leistung ) :
      Mamiya Sekor C Objektive ( 45mm, 80mm und 150mm ) wurden mit 8,2 bzw. 8,4 Punkte ( von max. 10 ) bewertet. Dies entspricht auch meinen Erfahrungen. Diese Objektive sind nicht unbedingt die schärfsten.
      Mamiya N ( 43mm, 65mm, 80mm und 150mm ) wurden mit 9,4 bzw 9,6 bewertet
      Zenzanon-RF (45mm, 65mm und 100mm ) wurde mit 9,4 bzw. 9,8 bewertet

      Die entspricht meistens auch den in den Foren gelesenen Berichten.

      Ein Bild, das mit einem sehr guten KB Objektiv gemacht wurde kann schärfer und kontrastreicher sein als ein Bild, das mit einem mittelmäßigen Mittelformat Objektiv gemacht wurde.

      Unabhängig davon können natürlich auch noch andere Faktoren, z.B. Erschütterungen und somit Unschärfe aufgrund des Verschlusses / Spiegels eine Rolle spielen.

      Grüße
    • Hi,

      ich habe viel Erfahrung mit dem Testen von Objektiven. Als Erstes empfiehlt sich das verwendete System zu überprüfen. Dabei geht es darum ob das im Sucher scharfgestellte Motiv auch auf dem Film scharf ankommt. Als Testaufbau lege ich dazu eine Zeitungsseite in 4 Meter Entfernung auf den Boden, darauf ein Maßband und ein Pfeil mit dem ich die Zeile in der Zeitung auf die scharfgestellt wird markiere. Man hat also ein Motiv mit einer Ausdehnung in die Tiefe wenn man die Kamera schräg drauf richtet. Folglich ist bei offener Blende nur eine oder wenige Zeilen der Zeitung scharf. Natürlich kommt dabei die Kamera aufs Stativ und die Verwendung einer Blitzanlage um aus der Verwackelung herauszukommen. Auf den verwendeten Film kommt es dabei nicht an, wichtig ist aber das man einen ganzen Film durchzieht und vor jeder neuen Aufnahme die Kamera neu einstellt und gegebenenfalls neu positioniert und die scharfgestellte Stelle nicht nur in der Mitte des Bildes positioniert. Bewährt haben sich fürs Scharfstellen bei mir kleine Taschenmikroskope mit denen das Mattscheibenbild stark vergrößert werden kann. Dadurch entfallen Scharfstellfehler die eine Testreihe durcheinander bringen können. Wenn die Kamera mit allen Komponenten völlig in Ordnung ist, dann sollte bei jeder Aufnahme die Zeile in der Zeitung auf die scharfgestellt wurde auch auf dem Film scharf sein. Wenn das nicht so ist, dann sollte erst einmal die Kamera in die Werkstatt. Die Fehlerquellen sind quasi endlos: Spiegellage, Auflagemaß, Mattscheibenauflage, Magazinlage, Andruckplatte, Filmplanlage.

      Meistens scheitern die Kameras schon an diesem Test.

      Wenn nicht, dann kann man sich an das weitere Testen machen. Dabei sollte man immer auf etwas in mittlerer Entfernung auf der Mattscheibe Scharfstellen. Das hat damit zu tun das der Unendlich - Anschlag bei den allermeisten Objektiven nicht wirklich auf unendlich steht, sondern kurz davor. Ich hatte einmal große Probleme mit den Objektiven einer Pentax6x7 mit der ich Luftaufnahmen aufzunehmen hatte. Die waren alle werksseitig nicht auf unendlich abgestimmt. Ich habe mir dann die Objektive von Foto Museler in Bochum auf unendlich abstimmen lassen. Der Tip kam von Hans Blossey, der als renommierter Luftbildfotograf früher auch sehr viel mit der dicken Pentax unterwegs war.

      Manche Objektive haben den ärgerlichen Fehler der Fokusverschiebung beim Abblenden. Das betrifft meistens lichtstärkere Objektive. Das sollte beim Testen auch immer mit berücksichtigt werden. Dazu empfiehlt es sich auch einmal eine Testreihe bei der mit auf mittlere Blende abgeblendetem Objektiv scharfgestellt wird.

      Zur finalen Beurteilung finde ich es hilfreich wenn man ein reales Bild mit einer gewissen Tiefenstaffelung aufnimmt und davon Vergrößerungen mit ca. 50 cm Kantenlänge anfertigt (ohne Nachbelichten oder Abhalten). Dadurch wird nicht nur die Schärfe des verwendeten Objektives sichtbar, sondern auch die Kontrastübertragung und überhaupt die Gesamt - Anmutung des Objektives. Lustig sind auch Vergleiche in der unterschiedlichen Farbwiedergabe der Objektive. Heftigster Ausreisser ist das alte 40er Distagon zur Hasselblad, das durch die dicken Glasflächen eine heftige Tendenz zum Grün hat.

      Noch ein kleiner Hinweis: meistens wird die Schärfe eines Objektivs mit dessen Fähigkeit Kontraste zu übertragen verwechselt. Das bedeutet man tendiert dazu ein kontrastreicheres Bild für schärfer zu halten als ein schärferes aber kontrastärmeres Bild. Deshalb der Vergleich an einer fertig ausgearbeiteten Vergrößerung.

      Der Vergrößerer sollte natürlich auf frei von Fehlern sein und das Objektiv so gut sein wie es nur geht, sonst gehen die Fehler der Aufnahmeobjektive im Gesamtfehlerbild unter.

      Das solche Tests nicht wenig aufwendig und auch teuer sind sollte klar sein. Auch sollte der Geräteaufwand nicht unterschätzt werden. Um alles zu testen haben wir damit das Studio für mehrere Tage belegt.

      Der Aufwand lohnt sich dann doch sehr. Es ist ein gutes Gefühl mit einer vertrauenswürdigen Kamera zu arbeiten. Alles Andere ist Mist!

      Ich habe einmal für eine Kalenderproduktion Norddeutsche Landschaften mit einer Sinar f fotografiert deren Mattscheibenlage nicht mit der Filmposition übereinstimmte fotografiert. Die Bilder hatten alle eine weiche Unschärfe. Das war überaus ärgerlich weil ich dafür drei Wochen im Auto geschlafen habe um den Sonnenaufgang nicht zu verpassen, den Kamerakoffer durch die Landschaft gewuppt habe, mich mit Förstern, Schäfern und Soldaten gezankt habe. Um den Ärger und das verlorene Geld und die Zeit zu vermeiden lohnt jede noch so langweilige Testreihe!

      Gruß Stefan
    • Wow! Chapeau! Stefan, das klingt wirklich nach Erfahrung.

      Aber dieser Testaufwand, der vielleicht notwendig sein muss, um ein Objektiv genau zu testen, ist für Rolf doch am Anfang ziemlich übertrieben, oder?

      Er hat den Verdacht, dass seine Rollei SLX schärfere Bilder macht, als die anderen MF-Exemplare seiner Ansammlung. Eigentlich muss er doch nur seine Rollei gegen seine anderen Kameras antreten lassen, auf gleichem Papier mit dem gleichen Vergrößerer abziehen und am Ende die Bilder vergleichen.

      Erst, wenn sich sein Verdacht bestätigt, dürfen wir (vielleicht) weiter nach der Ursache suchen. Oder springe ich da zu kurz?

      Gruß, Rainer