Umnächtigte Farbentwicklung (C41)

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    • Umnächtigte Farbentwicklung (C41)

      Moin!

      Heute habe ich meinen Respekt vor C41 verloren, zumindest mit dem Tetenal-Kit.

      Eigentlich weiss ich ja, dass Nachtdienste die geistige Leistungsfähigkeit dezent schmälern, mangelnder Schlaf am Tag bessern die Situation nicht. Heute wollte ich dann meinen sowieso verschobenen Rhythmus für Dunkelkammerarbeit nutzen. Die erste Charge funktionierte problemlos. Beim Ausgießen des Entwicklers im zweiten Durchgang fiel auf, dass doch viel zu wenig aus der Dose rauskommt, das Wasserbad in der CPP aber angestiegen ist, ganz trübe und müffelig.

      Nach einem kurzen Anfall der Verzweiflung und dem Bedauern über einen, leider, katzenfreien Haushalt und aushäusigen Kindern (die Kometen anschauen wollen oder Bier trinken oder einfach nur am Deich sitzen) fix neuen Entwickler angesetzt, hurtig entschieden, dass sowohl keine Zeit ist, ihn auf 38°C zu erwärmen, als auch, dass zweienhalb Minuten schon die richtige Zeit zum Nachentwickeln sein werden, weiter gearbeitet.

      Der erste Eindruck des fertigen, aber noch feuchten Films zeigt keine bösen Auffälligkeiten. Vielleicht einen kleinen Grünstich.

      Warum bisher die Angst?

      Ich werde weiter berichten, sobald der Film getrocknet und besser beurteilbar ist.

      Grüße,

      Alexander
    • Allgemein ist die Angst unbegründet. Kommt aber wohl auch daher, dass es früher wohl diese Kits in der Form noch nicht gab und Labor eben Labor war.

      Ich denke, diese Kits werden das Laborsterben aber noch beschleunigen. Bleibt dann nur zu hoffen, dass es die Kits dann noch weiterhin gibt, nachdem alle Labore geschlossen haben.

      Ich selbst bin auch nicht unschuldig. Lieber entwickle ich meine Filme in einer Stunde, als 2 Wochen warten zu müssen.

      C41 ist nicht wirklich kompliziert. (Meine ich)
      Viele Grüße
      Philipp ^^

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    • Hi,

      klar, C-41 ist kein Hexenwerk. Auch verbrauchte Chemie macht noch etwas und es wird auch ein Bild dabei herauskommen das man als Farbnegatv bezeichnen kann. Wenn man auf den abgeranzten Analog - Look steht und eh die Negative gescannt werden und man eigentlich auch nichts von Farbe versteht, dann kann man die Ergebnisse auch gut finden. Wenn man hingegen die Filme normgerecht und in der Herstellertoleranz verarbeiten möchte um davon analoge Vergrößerungen anzufertigen, dann muss der Aufwand jedoch etwas höher sein.

      Gruß

      Stefan
    • Hi,

      eine normgerechte Entwicklung liegt immer dann vor wenn der selbst entwickelte Prüfstreifen des Filmherstellers mit dem vom Hersteller entwickelten übereinstimmt. Ausgemessen werden die Streifen mit einem Densitometer.

      Kodak beschreibt hier die Filmverarbeitung im C-41 Prozess sehr ausführlich in allen möglichen Maschinen und Geräten: imaging.kodakalaris.com/sites/…yg/pro/chemistry/z131.pdf , dort ab Abschnitt 5.3 gehts um die Prozesskontrolle und die Interpretation von Prozesskontrollstreifen.

      Diese Kontrollstreifen gibt es für alle standardisierten Entwicklungsprozesse. Bei Filmen erhält man vom Filmhersteller eine Blechdose mit einer Rolle von vorbelichteten Meßfeldern. Dazu gibt es einen vom Filmhersteller entwickelten Prüfstreifen den man als Referenz benutzt. Die Streifen werden dann mit einem Densitometer ausgemessen. Die Abweichung des dann selbst entwickelten Prüfstreifens von der Referenz lässt sich dann in ein Koordinatensystem zeichnen. Am besten ist es natürlich wenn sich die Farbdichtekurven genau decken und sich der Kurvenverlauf mit dem Referenzstreifen deckt. In der Praxis wird es aber immer kleinere Abweichungen geben.

      Ich habe einmal in einem Fachlabor gearbeitet und wir waren als Kodak Q-Lab zertifiziert. Das bedeutete das zwei mal am Tag ein Prüfstreifen entwickelt und ausgewertet werden musste. Das galt aber auch für E-6 sowie für die Papierprozesse RA-4 und R-3.

      Ob das Alles für einen selber wichtig ist muss man selber entscheiden. Es ist aber wesentlich besser wenn man ein korrekt entwickeltes Negativ oder Dia weiterverarbeitet. Man merkt es spätestens an den Ergebnissen aus dem Scanner oder Vergrößerer / Printer.

      Gruß

      Stefan
    • Danke für die Erklärung Stefan,
      denke aber, das macht kaum einer, der selbst entwickelt. Da geht es um den Spaß an der Freude.

      Ich merke es aber auch, wenn die Negative im Scanner liegen, dass sie oft einen Stich haben, wobei das aber auch wieder nicht gesagt ist... da die Scannersoftware sehr anwenderorientiert ist, selbst gerne schon mal korrigiert und das auch oft über das Ziel hinaus schiesst.

      Das heißt für mich selbst, solange ich es hybrid wieder hinbiegen kann... einfach selbst nachprüfen und korrigieren kann ich es eh nicht. Bleibt nur die Entscheidung, Farbe entwickeln lassen oder weiter selbst entwickeln.

      Ich denke, wenn mein Kit aufgebraucht ist, werde ich meine Farbfilme wieder ins Labor/Discounter geben.
      Viele Grüße
      Philipp ^^

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    • Hi,

      letztlich ist es egal ob man in einer großen Durchlaufmaschine kontinuierlich Filme entwickelt oder nur einen in der Dose. Die Entwicklungsqualität sollte möglichst hoch sein. Es hilft doch nicht wenn der Film nicht die Nennempfindlichkeit erreicht oder die Kontraste zu groß oder zu klein sind. Davon abgesehen entwickelt man beim Farbfilm nicht einen Film sondern drei Filme bzw. Farbschichten. Deren Farbdichtekurven sollten möglichst eng beieinander liegen und sich nicht überkreuzen. Ansonsten erhält man unkorrigierbare Kippstiche im Bild.

      Gerade die falsche Verarbeitung von Farbfilmen und den resultierenden miesen Scans festigen den Eindruck von der Analogfotografie als schlecht und effektbehaftet. Analogfotografie ist aber nicht das "grunge" - Medium für das es viele halten!

      Gruß

      Stefan
    • Stefan, lass uns mal die Effekte- und Hipsterdenken beiseite. Du hast aber schon recht, und da würde ich gerne einhaken, weil es ein Thema für mich ist, dem ich noch nicht so recht auf der Spur bin (C41 selbst korrekt entwickeln).

      Wenn ich denn jetzt meine Farbfilme scanne und dabei ein Digitalbild erhalte, welches mir gefällt, bzw. welches ich farblich auch gebändigt bekomme, heisst das ja noch lange nicht, dass der Farbfilm auch von mir selbst korrekt entwickelt wurde.

      Gehe ich dann recht in der Annahme, dass ich als kleiner Mann in der Küche ohne großen Aufwand NICHT prüfen kann (messen schon gleich gar nicht), ob mein C41-Film irgendwo in der Norm liegt?

      Oder kann ich zum Beispiel irgendwie kalt, also ohne Manipulation des Scanprogramms den Filmrand z.b. scannen und anhand der Farbe des Trägers irgendwie prüfen, ob der Film in der Entwicklungstoleranz liegt?

      Kann ich das nicht, dann wäre die Heim-C41-Entwicklung ja genau genommen Blödelei.
      Viele Grüße
      Philipp ^^

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    • Nein, wäre sie nicht, Philipp. Ein Fachlabor muss so vorgehen. Es könnte sonst niemals, wenn der Prozess wegdriftet, einigermaßen farbneutrale Bilder erstellen. Du , zuhause, musst sowieso alles von Hand filtern und da ist es egal, wenn die Entwicklung nicht ganz typgerecht ist.
      Es sei denn, Du hättest auch eine so stabile Kette wie im Profilabor. Aber das gibt es beim Kleinverbraucher nicht.

      Gruß Wolfgang
    • Wolfgang Haller schrieb:

      Du , zuhause, musst sowieso alles von Hand filtern und da ist es egal, wenn die Entwicklung nicht ganz typgerecht ist.
      Würde stimmen, wenn es zu Ergebnissen käme, die man überhaupt noch rausfiltern kann. Das ist jedoch selten der Fall.
      Nicht nur ein anerkanntes Labor hat mir berichtet, daß man da sogar mit digitalen Mitteln nicht immer zu gewünschten Ergebnissen kommt.

      Eine nicht typgerechte Entwicklung führt halt nicht einfach nur zu einem simplen Farbstich.

      Als gelegentlicher Einzelanwender braucht man sich aber nur genau an die vorgegebenen Prozessparameter zu halten (mit frischer Chemie...). Das ist typgerecht, bzw. normgerecht.

      Da ist übrigens die Farbfilmentwicklung deutlich einfacher und sicherer als eine SW Entwicklung, da es genau je einen absolut exakt dokumentierten Prozess für Farbnegative (C-41), Farbnegativ-Cinefilme (ECN-2) und Farbdiafilme (E-6) gibt.

      Da gibt es höchstens noch mögliche Abweichungen durch den nicht manchmal nicht "passenden" ph-Wert bestimmter Chemikalien, die jedoch tatsächlich rausfilterbar sind.
      Beste Grüße
      Lutz

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    • Also um es mal einzugrenzen...
      Es gibt ja genug Kits da draußen, aber ich setze mal folgende Parameter voraus.
      Ich habe z.B. das Kit 5L für 100 Filme (die ich nie voll kriegen werde), also pro Liter Ansatz ca. 20 Filme.
      Nun habe ich hier einen gewissen Verlängerungsfaktor, der nie wirklich zur Anzahl der entwickelten Filme passt, heißt, ich bekomme eigentlich immer eine gewisse Abweichung.
      Ich entwickle bei 38C.
      Mittels Scansoftware kann ich den Farbstich immer irgendwie einfangen, wenn auch nicht immer perfekt. Liegt oft aber auch an mir selbst.

      Somit ist es für mich kein Problem, wenn es zu „meinen“ üblichen Abweichungen kommt.

      Aber man bekommt zuhause ja eigentlich nie wirklich ein farbtreues Bild hin, so wie es fotografiert wurde?!
      Viele Grüße
      Philipp ^^

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