Stoppbad bei der Negativ-Entwicklung

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    • Wenn ich den Thread her so durchlese, finde ich einige potentielle Vorteile des Stoppbades bei Negativentwicklung, von Positivevtwicklung ganz zu schweigen. Von Nachteilen, außer bei speziellen Entwicklern, sehe ich wenig.
      Das bestärkt mich erstmal in meiner Annahme, daß ich mit der Verwendung von Stoppbad wohl nicht ganz falsch liege.

      Aber vielleicht habe ich etwas übersehen: Wo liegen die klaren Vorteile beim Verzicht auf ein explizites Stoppbad?
    • Bastian Schramm schrieb:

      Aber woher kennst du die jeweilige Dichte der Lösungen, wenn du deinen Messbechern nicht vertraust?

      Hallo
      Ganz einfach: Wenn ich den Pulverentwickler ansetze und den ebenfalls wäge: Somit weiss ich, wieviel 1000ccm Wasser mit dem Entwickler zusammen wiegen. :)

      Abgesehen davon: Es geht mir nicht um die absolute Genauigkeit, sondern, dass ich immer gleichviel Entwickler im Wasser habe.
      Nur so denke ich, ist die Reproduzierbarkeit optimal gegeben.

      Mit dem DDX als Flüssigentwickler habe ich so angefangen:
      480gr Wasser gewogen und 120 mL Entwickler laut Mensur, nach Vorschrift 1+4.
      Das ergibt jedesmal 607 gr Flüssigkeit.


      Gruss Reinhard
    • Reinhard Walther schrieb:

      Abgesehen davon: Es geht mir nicht um die absolute Genauigkeit, sondern, dass ich immer gleichviel Entwickler im Wasser habe.
      Nur so denke ich, ist die Reproduzierbarkeit optimal gegeben.

      Das ist dann aber ebenso, wenn man nicht wiegt, sondern in einem Messbecher abmisst. So man immer für Chemie, Wasser und Arbeitslösung den selben Messbecher benutzt. Da spielt es dann ebenfalls keine Rolle mehr, ob die Mensur auf dem Becher zu 100% genau ist.

      Aber es ist doch immer wieder interessant zu lesen, wie die einzelnen Forenten in der Dunkelkammer werkeln. Da hat jeder so seine eigenen Abläufe. Ein wenig Vodoo ist natürlich auch dabei. Hauptsache, man ist zufrieden mit den Ergebnissen.

      Die Filmentwicklung stoppe ich selber mit zweimaligem Wasserbad, je 10 Kipp. Bei der Positiventwicklung verzichte ich niemals auf eine Zitronensäurelösung. Aber weniger um die Entwicklung zu stoppen, als dass mir das Fixierbad ansonsten zu schnell "umkippt".
      ernst-kluger.de

      Ich habe den Herrn um nichts gebeten und in seiner unendlichen Güte hat er mir auch nichts gegeben.
    • Hallo,

      hm, dem Thread entnehme ich mal soweit, dass ein Stoppbad aus Wasser tatsächlich die Entwicklungszeit etwas verlängert, sprich ein saures Stoppbad die Entwicklung schneller unterbindet. Ob diese Verlängerung oben allerdings ausreicht die bei mir beobachteten Dichteschwankungen zu erklären ist unklar.

      Es verdichtet sich bei mir aber der Gedanke meinen Entwicklungsprozess testweise mal um ein saures Stoppbad zu ergänzen und zu schauen wie die Ergebnisse dann sind.

      Ein wenig beunruhigt mich aber die Aussage, dass mglw. die Negative durch das saure Stoppbad angegriffen werden könnten. Meist kommen bei mir Ilford Delta und FP4 in die Kamera, eher selten APX/Kentmere und mittlerweile ganz selten Foma 100/200 (Restbestände).

      Gruß
      Heiko
    • Heiko Wichmann schrieb:

      ..., dass mglw. die Negative durch das saure Stoppbad angegriffen werden könnten.
      Nein, das ist eindeutig nicht der Fall. Wie schon gesagt: Alle Filmhersteller (wie z.B. Harman oder Kodak) empfehlen ausdrücklich ein saures Stoppbad oder lassen einem zumindest die Wahl (wie z.B. Foma). Film oder Silberkristalle werden dadurch nicht angegriffen. Nur der zusätzliche Stain-Farbstoff, der durch spezielle Entwickler (wie Moersch Tanol oder ein Pyro-Eigengebräu auf der Basis von Brenz­catechin oder Pyro­gallol) bewusst erzeugt wird, löst sich dadurch wieder auf.

      Gruß, Manfred
      Allerlei technische Tipps zur SW-Fotografie unter: http://www.anzinger-online.de/Foto/
    • Es gab mal die Theorie, dass bei Foma feine Emulsionsablösungen, die des öfteren beobachtet wurden, durch das (saure) Stopbad hervorgerufen wurden. Details kann man sicher googeln, das dürfte wohl auch in diesem Forum aufgetaucht sein.
      Wissenschaftlichkeit: Das heißt zu wissen, was man weiß und was man nicht weiß. Unwissenschaftlich ist alles totale Wissen, als ob man im Ganzen Bescheid wüsste. (Karl Jaspers)
    • > dass bei Foma feine Emulsionsablösungen, die des öfteren beobachtet wurden

      Eine Legende der Händler, um diese Defekte zu entschuldigen. Foma neigt einfach dazu, einige Chargen mehr, andere weniger.

      Der Effekt ließe sich theoretisch mit der CO2-Bildung durch den karbonathaltigen Entwickler und das saure Stoppbad erklären. Es ist insgesamt mehr als unwahrscheinlich, bei den heutigen Dünnschichtemulsionen um so mehr. So schnell, wie die Säure in die Shciht hineindiffundiert, schafft es das Co2 auch raus.

      Insgesamt verdünnt auch Wasser den Entwickler so stark, dass praktisch keine Entwicklung mehr stattfindet. Ihr könnt das mit Film probieren, oder aber ohne Zusatzaufwand mal mit einem Probestreifen vom Papier: Entwickelt nicht fertig (nur so 30 Sekunden), reißt den entwicklernaß durch und werft gleichzeitig ein Stück in das Fix und eines ins Wasser. 5 Sekunden Wasser reichen übrigens, dass ihr Licht anmachen könnt: Ein Probestreifen verändert sich lange Zeit nicht im Wasser, so dünn ist der Entwickler dann. Probiert es aus.
    • Meine bescheidenes berufliches Wissen legt ein Unterbrechungsbad nahe. Die Entwicklung des latenten Bildes, die eigentlich eine Verstärkung ist, beruht auf zwei Vorgängen, einem elektrischen und einem chemischen. Das Anhalten der Verstärkung ist mit dem Wechsel vom basischen zum sauren Bad augenblicklich bewerkstelligt, so daß man auf die Sekunde genau bearbeiten kann.

      Die chemischen Vorgänge laufen auf Molekülebene nur wenig langsamer ab. Sie bestehen im Wesentlichen aus einer Ummantelung der aus den Keimen schießenden Silberfäden zu einer in der Gelatine quasi erstarrenden Wolle.


      Dem schlagartigen Anhalten der Ionenentladung im Unterbrecherbad gleicht das schlagartige Einsetzen der Entladung beim Eintauchen in den Entwickler. Die chemischen Vorgänge können bei angehaltenem elektrischem Potenzial nicht ablaufen. Darüber hinaus reagiert die Säure des Unterbrecherbades mit dem Alkali des Entwicklers, Reaktionsprodukte sind bei Essigsäure Kohlendioxid und Wasser.


      Das Fixierbad kann von einem Säureüberschuß und vor allem von der falschen Säure Schaden nehmen. Aus diesem Grunde empfiehlt sich die Borsäure fürs Unterbrechen, sie hat dem Fix nichts an.
    • Zwei Gedanken gehen mir bei dem Thema durch den Kopf.


      1. Es gibt auch eine "Wasserentwicklung", wo der Film zur ausgleichenden Wirkung zwischen Entwicklerbad und Wasserbad abwechselnd hin und her getauscht wird.
      Allerdings mit wenig Bewegung im Wasserbad.


      2. Entwickler auf Brenzkathechin-Basis sollte man auch nicht sauer stoppen - habe ich mal irgendwo gelesen.
      Und nach einer Entwicklung mit SPUR Dokuspeed SL sollte nicht zwischengewässert werden, sondern sauer gestoppt oder sauer fixiert werden.


      Schönen Abend noch und es gibt größere Fehlerquellen beim Entwickeln.
    • Hallo Simon,

      "Aus diesem Grunde empfiehlt sich die Borsäure fürs Unterbrechen, sie hat dem Fix nichts an."

      Ich habe nun wirklich viel Literatur über die Zusammensetzung fotografischer Bäder gelesen, aber dabei nie einen Hinweis auf die Verwendung von Borsäure als Bestandteil von Stoppbädern gefunden.
      Borsäure wirkt als Puffersubstanz und stabilisiert in Verbindung mit Alkali aus dem Entwickler einen leicht alkalischen pH-Wert.
      Sie verhindert als Puffersubstanz in Fixierbädern durch ihre Pufferkapazität eine zu starke Versäuerung des Fixierbades.
      Da sie, ebenso wie ihre Salze, mittlerweile als reproduktionstoxisch eingestuft ist, hat sich das jedoch ohnehin erledigt.
      Essig- und Zitronensäure in richtiger Konzentration angewendet, sind für Fixierbäder unschädlich.

      Viele Grüße, Jochen.