Tipps zur Plaubel Makina IIs - 6x9 Rollfilmkamera

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    • Tipps zur Plaubel Makina IIs - 6x9 Rollfilmkamera

      Die Makina führt in Foren und Vorstellungen von 6x9 Kameras ganz zu Unrecht ein Schattendasein. Wahrscheinlich ist sie deshalb auch noch ausgesprochen erschwinglich zu bekommen. Mit allgemeiner BEschreibung und technischen Daten will ich mich hier nicht aufhalten. Die findet man leicht im Internet.


      6x9 ist ausser dem Sonderfall Panorama das größte Rollfilmformat mit ca. der 6-fachen Fläche eines 24x36 Negativs. Kameras für dieses Format gibt oder gab es etliche in 3 verschiedenen Ausführungen: Messucherkameras mit fixem oder wechselbaren Objektiv z.B. von Fuji, die wegen Größe und Gewicht scherzhaft Texasleica genannt werden; aus der Hand zu benutzende Großformatkameras (eigentlich für Planfilm) mit Rollfilmrückteil, die aber meist die Größe einer normalen Fototasche überschreiten; und dann noch die diversen faltbaren Kameras. Die meisten davon sind relativ flache Kameras, die aufgeklappt werden, wodurch das Objektiv an einem Balgen nach vorne in Aufnahmestellung gebracht wird. Bei dieser Konstruktion ist es ein Problem einen mit dem Objektiv gekuppelten Entfernungsmesser zu realisieren. Gibt es aber auch, aber viele begnügen sich mit einem ungekuppelten Entfernungsmesser, wo der ermittelte Wert auf das Objektiv übertragen werden muss. Meines Wissens gab es keine solche Klappkamera mit Wechselobjektiven.

      Die Firma Plaubel ging schon mit der ersten Makina von 1912 einen anderen Weg. Bei ihr wurde die Objektivplatte mit Balgen und Scherenspreizen nach vorne in Aufnahmestellung gebracht. Das ermöglichte nicht nur eine Entfernungsmesserkupplung sondern auch Wechselobjektive. Auch die Makina ist ursprünglich für Planfilm bzw. Glasnegative gedacht, aber es gab bereits früh ein Rollfilmmagazin dazu. Im Folgenden beziehe ich mich nur auf meine Kamera, aber sie unterscheidet sich von ihrer Vorgängerin im Prinzip nur durch die andere Konstruktion der Objektive und von ihren Nachfolgerinnen durch Blitzsynchronisation und Verschluss.

      Da es im Netz bereits etlich gute Texte zu der Makina IIS gibt (s.u.), von der hier die Rede ist, beschränke ich mich auf einige Tipps und Hinweise.

      Ergonomie: das war damals ein unbekanntes Fremdwort. Deshalb bedarf es bei der Bedienung an einigen Stellen doch der Fingernägel oder einem gehörigen Kraftaufwand bzw. Hornhaut an den Fingern. Erstes Problem: wie hält man die Kamera? Man kann sie eigentlich nirgends so richtig anfassen. Ist wohl der ursprünglich gedachten Verwendung vom Stativ geschuldet. Zur Aufnahme hält man sie am besten beidseitig an der Frontplatte, wodurch man auch gut Scharfstellung, Spannhebel und Auslöser erreicht. Sie ist mit Rollfilmmagazin zwar etwas hecklastig, aber das hält sich in Grenzen, da sie mit Objektiv nur gut 1,2 kg wiegt.

      Filmtransport: es gibt von Plaubel unterschiedliche Rollfilmrückteile aber alle mit Stopp bei jedem Bild, manche haben eine Startmarke, manche nicht. Meine hat keine und ich Stelle das Zählwerk zunächst auf „8“. Das passt. Andere Rollfilmrückteile mit gleichem Falz können auch verwendet werden (z.B. Rada), aber die kenne ich nicht. Ein rotes Fensterchen braucht man nicht. Meine hat zwar eines, aber das ist wohl nur für die ganz Vergesslichen um zu kontollieren, ob überhaupt ein Film eingelegt ist. Apropos Filmeinlegen: das wird in einem der u.a. Links schön bebildert beschrieben. Allgemein wird geschrieben, dass man den Film erst vor der Aufnahme transportieren soll, damit er straff gespannt ist. Das ist bei allen Faltkameras aber nicht der Hauptgrund. Der Balgen wirkt wie ein Akordeon, wodurch der Film in beide Richtungen gewölbt wird mit sehr negativen Folgen für die Planlage, weil die Rollfilme weniger steif als KB-Filme sind und auch eine viel kleinere Auflagefläche am Rand haben. Wenn man die Aufnahme dann doch nicht gemacht hat, und die Kamera schließen und später öffnen will, dann kann man bei der Makina man den Lichtschutzschieber einschieben, der normalerweise ja draussen bleiben kann. Das verhindert oder mildert den Pumpeffekt.

      Verschluss: der Verschluss muss wie damals üblich vor jeder Aufnahme gespannt werden. Dazu eine ganz wichtige WARNUNG!! Bei der Einstellung auf „B“ oder „T“ darf der Verschluss keineswegs gespannt werden, weil er dadurch zerstört werden kann. Öffnen und Schließen erfolgt dabei nur mit dem Auslöser. Da es keine Doppelbelichtungssperre gibt, kann man den Verschluss jederzeit spannen und auslösen. Im Zweifel hat man dann alle Aufnahmen auf 1 Negativ.

      Selbstauslöser: der hat mir schon einen Streich gespielt. Ich weiß nicht, ob das ein Bug meiner Kamera ist oder Feature aller Makinas. Der Selbstauslöser wird gespannt, indem man den Selbstauslöserknopf drückt und den Spannhebel über einen Widerstand ganz runter drückt. Das kann im Eifer des Gefechts und weil man die Kamera nicht so richtig anfassen kann natürlich auch versehentlich passieren. Der Verschluss bleibt danach im „Selbstauslösermodus“ auch ohne den Knopf zu drücken. Man darf beim nächten Spannen nur bis zu dem Widerstand drücken, sonst läuft der Selbstauslöser bei der nächsten Aufnahme wieder los. Danach wird der Widerstand nur durch erneutes Drücken des Selbstauslöserknopfes überwindbar, sonst macht man alle Aufnahmen mit Selbstauslöser.

      Balgen: der hat 2 rastende Stellungen – für Weitwinkel einerseits und für Normal und Tele andererseits.

      Sucher: von dem darf man kein Wunder an Präzision erwarten. Aber im Gegensatz zu Beschreibungen im Netz sind für Tele und Weitwinkel keine zusätzlichen Linsen oder Masken erforderlich. Der Ausschnitt für Tele ist bei den neueren Modellen eingeätzt, und das Bildfeld für Weitwinkel wird dadurch angezeigt, dass die Objektivplatte mit der vorderen Sucherlinse näher an die hintere Linse ranrückt. Der Balgen wird für Weitwinkel nicht ganz ausgezogen sondern nur bis zu einer Raste.

      Entfernungsmesser: der ist mit dem Objektiv nur für das Normalobjektiv gekuppelt. Das Tele hat einen eigenen Schneckengang, auf dem die gemessene Entfernung eingestellt wird. Mit dem Weitwinkel ist es deutlich umständlicher. Die Entfernung muss mit der Balgeneinstellung für das Normalobjektiv ermittelt werden; dann wird der Balgen wieder auf Weitwinkelstellung gebracht und die Entfernung am Balgen eingestellt. Ehrlich gesagt schätze ich beim Weitwinkel lieber und verlasse mich auf die größere Schärfentiefe. Die geringe Lichtstärke des Weitwinkel hilft dabei.

      Hier noch die Links leider alle englisch:
      mikeeckman.com/2020/07/plaubel-makina-iis-1936/
      lommen9.home.xs4all.nl/plaubel/index.html
      photo.net/discuss/threads/look…laubel-makina-iis.399884/
    • Ich weiß nicht, welchen Falz eine alte Zeiss Ikon hat. Nur von der Voigtländer Bergheil 6,5x9 weiß ich, dass sie den gleichen Falz hat. Ich habe zu meiner Makina ein paar AGFA-Planfilmkasetten bzw. für Glasnegative. Es gab also von AGFA vermutlich auch Kameras mit dem Falz.

      Ob man bei Internetbildchen irgendwelche Aussagen über Objektivqualität machen kann, möchte ich nicht diskutieren. Verzeichnung und Vignettierung kann man sicher sehen, krasse Randunschärfe auch. Aber Holger hat natürlich Recht. In einem Fotoforum sind Bilder immer willkommen. Werde mich bessern.

      Immerhin mal 2Bilder von der Kamera auch im Größenvergleich


      Makina.JPG

      DSC_9224.JPG