Leica M3 geerbte leider ohne Objektiv

  • Hallo Leute,


    ich bin neu hier und schon die erste Frage.


    Ich habe eine Leica M3 geerbt leider ohne Objektiv :(


    Da ich schon mal in der Bucht etc. geschaut habe was so ein Leica Objektiv kostet bin ich bald vom Tisch gefallen.


    Ich möchte diese Kamera gern testen aber dafür bin ich nicht wirklich bereit 600€ für ein Objektiv auszugeben.


    Könnt Ihr mir eine "günstige" Alternative im Bereich 50mm oder 35mm nennen?


    Momentan Fotografiere ich mit einer Canon AE1 mit dem 50mm f1.4 daher ist die Leica sehr interessant.


    Ich freue mich auf Antworten oder Quellen da ich selbst nicht wirklich viel finden konnte oder nicht weiß wonach ich eigentlich suchen muss.


    Mit freundlichen Grüßen


    Patrick

  • Na, na, na, so schlimm kann's nicht sein. Die Ebay-Historie zeigt zwei Leica M3 MITSAMT Objektiv (1 Elmar, 1 Summicron), die unter 600 Euro verkauft wurden (29. Jan, 12. Dez).


    Das Problem sehe ich höchstens im Wartungs- und Erhaltungszustand. Nach einer bestimmten Philosophie und für bestimmte Zwecke ist die M3 als die beste Kamera aller Zeiten bekannt (ich lasse bei Ken Rockwell denken: http://www.kenrockwell.com/leica/m3.htm ;) ). Genauso kriegst du keinen Bugatti heute von Ford, Opel oder BMW zu kaufen. Die soll dann aber ja auch laufen. Also sollte man ein paar Hunnis für eine Überholung oder auch nur Überprüfung in der Hinterhand haben, wenn man die wirklich benutzen will.


    Für Schraub-Leicas kann man russische 39-mm-Objektive nehmen (aber dann kann man gleich eine russische Fed aka Revue kaufen, die gibt's oder gab's für einen Hunni und für alle praktischen und fotografischen Zwecke steckt da eine prima Leica in einem hässlichen und klobigen Gehäuse). Ihre Entfernungsmesser-Basis ist halt nur eine Daumenbreite, im Gegensatz zu der knappen Handspanne ;) bei einer M3. Von Fremd- Bajonettobjektiven für Leica M ist mir nichts bekannt.


    Es gibt Adapter für 40 (gebraucht) bis 90 Euro, aber gutes Geld rausfeuern, um eine schlechte Objektivlösung an einer M3 zu verwirklichen, sähe ich nicht ein.


    Bei den Russenleicas haben sich die Wege mal konstruktiv getrennt - es gab schicke mit sehr guten Objektiven 1:2 (ich hatte mal eine mit einem Jupiter, das altershalber aber sehr weich zeichnete), aber nie welche mit Bajonett. Jedenfalls haben sie nicht ihren Weg nach Deutschland gefunden.


    Edit: nochmal bei Ken nachgelesen und ich will seine Bemerkung zu Adaptern nicht unterschlagen, auch wenn ich anderer Meinung bin: "with a simple adapter, perfectly compatible with every screw-mount lens (1933-today)." Die Jupiter, insoweit stimme ich Felix Endres zu, brauchen sich vor keinem Objektiv der Welt zu verstecken (genauso wie übrigen die TAIR Objektive zur Weltspitze gehören, das weiss nur keiner). Aber man müsste viel Glück haben, um ein unverbasteltes gutes Exemplar zu ergattern. Die wurden schon von Fabrik aus selektiert, für Geheimdienste, für normale Sterbliche, für Export. Kenner wissen sie an den Fabriknummern zu unterscheiden, ich bin keiner.

  • Russische M39 sind keine LTM, aber der Adapterweg ist schon der Richtige. Ich würde über den Adapter ein Canon LTM (Leica Thread Mount) nehmen, die Optiken sind erstklassig.

  • . . . Von Fremd- Bajonettobjektiven für Leica M ist mir nichts bekannt. . .


    Doch, natürlich.


    • Die aktuellen Voigtländer-Objektive haben Leica-M-Bajonett, ebenfalls die Zeiss-Objektive. Gefertigt werden sie von Cosina, Homepage Voigtländer
    • Die Voigtländer-Objektive wurden vor 15 Jahren auch mit M39-Gewinde ausgeliefert, dazu gab es von Voigtländer auch die verschiedenen Adapter. Man findet sie in der Bucht gebraucht. Ich nutze ein M39 Voigtländer 1.5/50mm Nokton mit Adapter.
    • Eine andere Möglichkeit sind Reflexadapter auf das M-Bajonett, sie wurden beispielsweise von Novoflex angeboten. Auch die gibt es gebraucht für die Anschlüsse vor der AF-Zeit.
    • Und man kann M42-Objektive via Distanzstück auf die M39-Adapter setzen. Und es wird auch ein direkter Adapter M42 auf Leica M angeboten . . . Bei den beiden letzten Möglichkeiten entfällt die Fokussierung.

    Und was die M3 anbelangt: Prüfe mit dem Ohr den Verschluss bei 1 Sekunde, bei der 1000stel und den Zeitauslöser. Wenn die funktionieren, dann mache Dir keine Gedanken über den Service. Eigentlich sind diese Kameras damals für die Ewigkeit gebaut worden.

  • Die Canon LTM Objektive sind bestimmt eine gute Wahl. Ich besitze keines, habe aber nur Gutes gelesen.
    Das 50/1.8 ist gerade in der Bucht für 199,00€ drin, was vermutlich sogar noch fast zuviel ist? Ein anderes startet mit 140€ als Auktion. Vielleicht hast du da Glück. :) Für Canon Objektive brauchst du allerdings noch einen Adapter.


    Ich habe das Jupiter 50/2.0 und es funktioniert einigermaßen. Im Nahbereich mit offener Blende wird es schon kritisch. Ich weiß in etwa, wie ich den Fokus korrigieren muss, habe mir aber recht schnell ein Planar 50/2.0 gekauft und nutze das Jupiter nur noch an meiner digitalen Kamera.


    Ein 35mm Objektiv wird schwierig, da, soweit ich weiß, kein 35mm Sucherrahmen angezeigt wird? Da gibt es doch ein spezielles 35mm Objektiv mit Sucherbrille?
    Ansonsten würde ich evtl mal nach einem gebrauchten Voigtländer 35/2.5 Color Skopar mit Schraubanschluss ausschau halten.


    viele Grüße

  • Ich muss mich doch noch mal gefühlsmäßig zu dem Thema melden. Danke erstmal für die Beiträge, die auch für mich Neues boten.
    Die Adapterlösungen würde ich immer noch nicht befürworten. Sie (und der Kauf eines nicht originalen Objektives) sind zu teuer, um mal auszuprobieren, wie's Opas kostbare M3 getan hat, und bleiben dennoch nur ein Behelf. Mit der M-Serie brauchte man erstmalig nicht mehr ewig rund und rund zu drehen, um ein Objektiv zu wechseln, sondern das Bajonett erlaubte es, mit einem Griff ein Tele oder Weitwinkel einzusetzen. Das war fast so sensationell, wie mit der Erfindung der Leica überhaupt, eine bewegte Szene per Mess-Sucher blitzschnell scharf zu stellen und daher mit beliebig offener Blende aufnehmen zu können, statt die Entfernung zu schätzen und auf 11 oder dunkler abzublenden - oder gar alle zu bitten, doch so lange still zu halten, wie man unter dem schwarzen Tuch verschwunden ist.
    Zum Schluß hat Patrick immer noch ein paar Hunnis ausgegeben und hat eine Krücke, die ihm in dieser Kombination niemand abkauft.


    P.S. Übrigens, ja, Schlitzverschlüsse gehen nie kaputt. Vielleicht aber doch, also guckt man mal hin, ob sie ausgefranst sind, ob nicht etwa durch eine Zeitaufnahme mit Sonne drauf ein Loch reingebrannt ist und schaut bei offener Rückwand, ob sie durchlaufen, ohne zu haken. Auch den Entfernungsmesser kann man, falls man leihweise ein Objektiv auftreibt oder gerade eins kaufen will, testen, ob Unendlich in der Natur mit dem Unendlich an der Objektivskala übereinstimmt und ob die Höhenlage der Teilbilder genau übereinstimmt. Justage ist m.E. kein großer Akt, muss aber natürlich erledigt werden.

  • Eine Leica ohne Leicaobjektiv macht in meinen Augen wenig Sinn. Die Gehäuse sind zwar stabil und toll verarbeitet. Aber um eine Leica genießen zu können, benötigt man auch eine Leicaoptik. Man wird auch deutlich unter 600€ fündig. Für 200-300€ kann man schon ganz gute Sachen, auch im M-Bereich bekommen. Ist dann nur halt kein Summicron. Alte Elmare mit Bajonett tun es auch. Im Prinzip passen alle Schraub- und alle M-Bajonette an die Kamera.
    Die Preise bei Leica sind sehr von den Sammlern beeinflusst. Wenn man auf OVP und solche Dinge verzichtet und am Äußeren mal einen Kratzer toleriert, kommt man relativ günstig an die Sachen ran.
    Der Verschluss der Leica sollte aber in Ordnung sein. Am besten mal auf 1sec stellen und hören ob er sauber ohne Ruckeln abläuft. Dann sollte das Gerät schon funktionieren. Das Tuch des Verschlusses sollte auch kein Löcher haben. Reparabel ist aber alles an einer solchen alten Leica. Es gibt diverse freie Werkstätten, die die Kamera wieder instand setzen können. Manchmal ist das gar nicht so teuer. Nur der Leicaservice ist nicht gerade günstig. Aber auch dort bin ich schon positiv überrascht worden.
    Ich habe selber diverse Leicas gehabt oder habe sie noch. Wenn man gut einkauft, kann man an den Dingern kein Geld verlieren und ewig mit fotografieren. Persönlich finde ich aber die neueren Modelle wie M6 und so etwas praktischer für den täglichen Gebrauch.

  • Nach meiner Auffassung sind die meisten gängigen Leica Objektive mit etwas Suche und Warten recht Preiswert zu haben.


    Zumindest welche zum Benutzen. Neuwertige Vitrinenmodelle mit OVP sind natürlich teuer.


    Unlängst habe ich aus England ein zweites Elmar 9cm für 80 Euro bekommen - in dem Preissegment sollte immer was zu finden sein. Das Hektor 135 auch etwa. Wohlgemerkt Objektive zum Benutzen - nicht für die Vitrine.


    Ich persöhnlich will an meiner Leica auch Leicaobjektive, sonst macht das keinen Sinn für mich.


    Solltest Du Interesse an einen Visoflex Spiegelkasten und ein Balgengerät für Deine Leica haben, oder gar ein ganzes Reprovit Reproduktionsstativ . auf dem Marktplatz habe ich entsprechende Angebote, die noch aktuell sind.

  • Die Voigtländer Skopare sind doch toll. Mit dem 50/2.5 bin ich gern unterwegs - klein und gut. Der Adapter stellt in der Praxis überhaupt kein Problem dar.


    Aber stimmt schon, ein Elmar oder so bekommt man für einen ähnlichen Preis, wenn man unbedingt Leica draufstehen haben will.


    Lars

  • Hallo Leute,


    vielen Dank für die zahlreichen Antworten mit denen Ihr mir sehr weiter geholfen habt.


    Die Zeiten und der allgemeine Zustand der Kamera passen daher werde ich jetzt ein bisschen sparen und dann wird es das Voigtläner Nokton :)


    Nochmals vielen Dank an alle!

  • Die Adapterlösungen würde ich immer noch nicht befürworten. Sie (und der Kauf eines nicht originalen Objektives) sind zu teuer, um mal auszuprobieren, wie's Opas kostbare M3 getan hat, und bleiben dennoch nur ein Behelf. Mit der M-Serie brauchte man erstmalig nicht mehr ewig rund und rund zu drehen, um ein Objektiv zu wechseln, sondern das Bajonett erlaubte es, mit einem Griff ein Tele oder Weitwinkel einzusetzen.

    Erklär mir bitte mal, was an einem Schraubojektiv mit M-Adapter ein "Behelf" sein soll bzw. wo beim Objektivwechsel oder Fokussieren der Unterschied im Vergleich zu einem M-Objektiv ist. Okay, rhetorische Frage, es gibt keinen funktionalen Unterschied. Ein Schraubojektiv mit Adapter setzt sich genauso mit einem Griff an wie ein M-Objektiv. Allerdings haben die Schraubobjektive den Vorteil, dass sie universeller einsetzbar sind, da man sie zusätzlich auch mit Schraubgehäusen verwenden kann.