Hugo Meyer Satz-Plasmat: Einsatz der einzelnen Linsengruppen

  • Hallo,


    ich werde aus meinem Satz-Plasmat bislang noch nicht so richtig schlau. Mir ist klar, dass die Linsengruppen einzeln verwendet werden können, der Verschluss trägt auch die passenden Blendenreihen. Folgende Linsengruppen habe ich hier: 32 cm 1:11 als Frontelement, 22 cm 1:8 als Hinterelement. In Kombination bekomme ich 15.3 cm 1:4.5. Das ist soweit in Ordnung und passt auch mit dem eingebauten Unendlich-Anschlag meiner Kamera zusammen.

    Wenn ich das Frontelement allein verwende, komme ich bei einem Auszug von insgesamt rund 32 cm bei Unendlich ein scharfes Bild. Das passt so weit, denke ich. Wenn ich das Hinterelement (hinten) lasse und allein verwende, muss ich ebenfalls etwa 30 cm ausziehen, um Unendlich scharf zu bekommen. Verwende ich die hintere Gruppe vorn, so sind es nur etwa 20 cm, was ja eher passen würde. Daher die Frage an die Plasmatkenner von Euch: Wird die hintere Gruppe nun hinten allein verwendet, oder doch auch vorn aufgesetzt?


    Habt vielen Dank für Eure Hilfe.

  • Einzellinsen werden immer hinter die Blende gesetzt, die konkave Fläche nach vorne, beim Plasmat geht es nicht anderes.

    Wenn die Linse vorne einsetzt nimmt die optische Leistung ab.

    Normalerweise koomt dann in den Verschluss in das vordere Gewinde noch ein Blendschutz der aber meist nicht vorhanden ist, häufig ist er aber bei den Plasmat Sätzen mit dabei.


    Viel Spaß mit dem Objektiv, ist ein interessantes Stück.


    Bei der Lichtmessung mitberechnen dass das unvergütete Plasmat durch Reflexion viel Licht verliert, ich habe immer mindestens eine halbe Blende draufgegeben.

    Die tatsächliche Lichtstärke liegt eher bei t/5,6 statt der gravierten f/4,5 welches nur ein rechnerischer Wert ist.

    Unsere Ruinen werden nicht so schön sein wie die vergangener Generationen

  • Hallo Wolfgang,


    hab vielen Dank für den Hinweis. Dann muss ich also auch die Vorderlinse nach hinten nehmen. Das muss ich gleich mal probieren. Ich hoffe, dass der Auszug sich dann nicht zu sehr verändert. Sind Dir bei der Nutzung dieses Objektivtyps auch mitunter sehr sehr lange Balgenauszüge für eigentlich recht kurze Brennweiten aufgefallen, wenn Du die Gruppen einzeln genutzt hast?

  • Sind Dir bei der Nutzung dieses Objektivtyps auch mitunter sehr sehr lange Balgenauszüge für eigentlich recht kurze Brennweiten aufgefallen, wenn Du die Gruppen einzeln genutzt hast?

    Das ist ähnlich auch bei den Schneider-Symmaren, wen nur das hintere Linsenglied verwendet wird. Auch dann sind die Auflagemaße für Unendlich wesentlich länger als die wirksame Brennweite.

  • Hallo Wolfgang,


    hab vielen Dank für den Hinweis. Dann muss ich also auch die Vorderlinse nach hinten nehmen. Das muss ich gleich mal probieren. Ich hoffe, dass der Auszug sich dann nicht zu sehr verändert. Sind Dir bei der Nutzung dieses Objektivtyps auch mitunter sehr sehr lange Balgenauszüge für eigentlich recht kurze Brennweiten aufgefallen, wenn Du die Gruppen einzeln genutzt hast?

    Das ist völlig normal. Das war ein Grund warum die meisten Kameras mit Wechselobjektiven einen dreifach Auszug hatten, nur so konnten die Satzobjektive komplett genutzt werden.

    Objektive waren damals in Verhältnis deutlich teurer als heute und solch ein Satz Plasmat war eine echte Investition, da wollte man schon das Objektiv komplett nutzen.

    Erwarte jetzt aber nicht die super Ergebnisse, die Einzellinsen müssen ordentlich abgeblendet werden. Bei voller Öffnung sind sie für Portraits geeignet weil sie dann nur in der Mitte so leidlich scharf zeichnen und zum Rand dann stark abfallen. Das war damals anscheinend angesagt, ich finde das ziemlich übel wenn nur der Bereich und die Augen scharf ist oder noch besser wenn die Nase formlich aus dem Bild heraussteht. Das wird immer schlimmer je größer das verwendete Format wird und damit die Brennweite länger und die Schärfentiefe immer mehr abnimmt.


    Habe selber ein solches Objektiv besessen und auch einige Aufnahmen mit gemacht aber es ist nicht so meins und es wird dann auch noch zu unverschämten Preisen gehandelt, aber wenn man Glück hat bekommt auch schon mal für einen deutlich geringeren Kurs.


    Hier zwei Aufnahmen, die erste mit dem 153mm Plasmat bei f/5,6 und die Zweite mit dem 220mm bei f/11

    Die 360mm Linse konnte ich mit meiner Wista nicht verwenden.

    Bei der Aufnahme mit 220mm kannst Du gut erkennen wie die Schärfe sehr schnell von der Mitte aus abnimmt.


    plasmat 153.jpg



    Plasmat 220.jpg

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  • Lieber Hugo, lieber Wolfgang,


    habt vielen Dank für Eure Anmerkungen und Bilder. Das ist ja ein Ding. Die alten Kataloge, die ich zum Plasmat gefunden habe, hatte ich immer so verstanden, als dass ich die hintere Gruppe stets hinten, die vordere Gruppe stets vorn nutzen sollte. Aber so recht kommt das eben auch nicht dabei raus. Meine Schaja, an der das (der??) Plasmat genutzt wird, hat nun einen dreifachen Auszug, der insgesamt auf etwa 38 cm reicht, was ich beachtlich finde. Damit kann ich aber die vordere Gruppe tatsächlich nicht einzeln verwenden, wenn ich sie hinter der Blende anordne, weil der Auszug dann doch noch länger sein müsste. Spannend. Na dann werde ich mit den neuen Informationen nun noch fleißiger fotografieren gehen. Ich habe für meinen Verschluss noch die passenden Aristostigmat-Gruppen für ein 100 mm Objektiv, damit decke ich eigentlich alles nötige ab und bin daher ganz begeistert von dem guten Stück.


    Habt vielen Dank.

  • Du kannst die Linsen natürlich auch vorne nutzen allerdings ist die optische Leistung dann immer geringer und der Bildkreis veringert sich.

    Dafür erhöht sich die Lichtstärke leicht.

    Letztendlich musst Du es selber ausprobieren ob Dir die Qualität genügt.

    Der Grund warum die Einzellinsen hinter der Blende verwendet werden sollten den hat Wollaston schon im 18. Jahrhundert beschrieben.


    Das Vorderglied des Plasmat hat 320mm Brennweite, bei 4x5" nutzt Du dann etwa 20°

    Ist noch kein dramatischer Wert und so lange Du nicht shiftest oder das Objektiv verkippst sollten noch brauchbare Aufnahmen zustande kommen.


    Die besten Ergebnisse liefert das Plasmat, so wie alle Satzobjektive, wenn es komplett genutzt wird.


    Es ist nicht viel mehr als Nostalgie die Einzellinsen zu verwenden, die Objektive sind heute so günstig zu bekommen das es kaum lohnt solche Experimente zu machen.


    Zugegeben, ich habe es auch getan aber die Ergebnisse waren alle so lala, nur das Zeiss Doppel Protar ist einigermaßen brauchbar.

    Interessant sind solche Versuche schon nur manchmal habe ich mich geärgert warum ich für die Aufnahme nicht ein Objektiv verwendet habe das fehlerfreie Ergebnisse liefert.


    Das Plasmat ist auf Grund seiner Konstruktion her eher weich in der Abbildung, vor allen bei den größeren Öffnungen. Das liegt unter anderem daran das es 8 Glas/Luft Flächen hat die nicht vergütet sind, das führt zu starken Reflexionen und ordenlichem Licht Verlust.

    Eine gute Sonnenblende ist Pflicht. Für meine Aufnahmen habe ich ein Kompendium an der Wista verwendet.


    Wenn aber alles bei der Ausnahme stimmt lassen sich damit sehr schöne Aufnahmen herstellen.

    Unsere Ruinen werden nicht so schön sein wie die vergangener Generationen