Selentoner wieder auswaschen

  • Bin in meinem Labor und habe wahrscheinlich die Super-Dau-Frage. Nachdem ich festgestellt habe, dass mein Lobostab Netzmittel / Bildstabilisator gelb geworden ist, nutze ich wieder Selentoner 1+30 für meine Barytabzüge. Nicht zum Tonen, sondern nur zur Haltbarkeit. Die Abzüge bade ich eine Minute im Toner. Ich habe völlig vergessen wie lange danach gewässert werden sollte.
    Ich wässere immer im kalten Wasser. Über eine Antwort würde ich mich freuen.
    Ach ja der Lobostab ist von Moersch. Ich denke, dass die gelbe Färbung mir sagen möchte, dass er kaputt ist??!

  • Hallo Ralf,


    schau doch einmal auf der Seite von Herrn Moersch nach, dort steht etwas zum Thema geschrieben. Ich persönlich reibe ebenfalls die Voder- und Rückseite des Blattes mit einem Stück Schminkwatte ab, verwende aber anstelle von fließend Wasser zwei große Wässerungsschalen. Tatsächlich ist es so, dass der Toner noch etwas weiterwirkt, was man einbedenken sollte. Bei mir bleibt der Bildton in der zweiten Schale stabil, zumindest so, dass ich keine unerwünschte Farbveränderung mehr erkennen kann. Schale 1, Blatt abreiben, dann das Papier für 20 Min. in in Schale 2. Allerdings verwende ich den Toner meist in der Verdünnung 1+7, da du 1+30 verwendest, sollte es bei dir eigentlich noch besser klappen.


    ciao, Maik

  • Hallo Ralf,


    schau doch einmal auf der Seite von Herrn Moersch nach, dort steht etwas zum Thema geschrieben. Ich persönlich reibe ebenfalls die Voder- und Rückseite des Blattes mit einem Stück Schminkwatte ab, verwende aber anstelle von fließend Wasser zwei große Wässerungsschalen. Tatsächlich ist es so, dass der Toner noch etwas weiterwirkt, was man einbedenken sollte. Bei mir bleibt der Bildton in der zweiten Schale stabil, zumindest so, dass ich keine unerwünschte Farbveränderung mehr erkennen kann. Schale 1, Blatt abreiben, dann das Papier für 20 Min. in in Schale 2. Allerdings verwende ich den Toner meist in der Verdünnung 1+7, da du 1+30 verwendest, sollte es bei dir eigentlich noch besser klappen.


    ciao, Maik

    Ich denke, dass es einen Unterschied macht, ob du tonst oder 'haltbar' machst. Meine Lösung ist ja nicht so fett. 20 Minuten wässern sollten doch reichen...
    Am Rande: Ich bin mal vom verehrten Hugues Erre https://www.flickr.com/photos/interieurbleu ermahnt worden, weil ich auf Flickr mitteilte, dass ich mit einem Fensterwischer Wasser von der Vergrößerung abstreife.
    Danke für deine Nachricht. Ich werde mal bei Moersch nachschauen :)

  • Hallo Ralf,

    der Bildsilber-Stabilisator von Moersch ist sehr wahrscheinlich ein ähnliches Produkt, wie damals das AGFA Sistan. Das verfärbt sich mit der Zeit am Licht auch gelblich, das ist aber kein Problem. Sistan bestand aus Kaliumthiocyanat (früher auch Kaliumrhodanid genannt) und einem Netzmittel (ein Octylphenolethoxylat wie z.B. Triton X-100). Bei dieser Art der Stabilisierung ist es unbedingt wichtig, nach der Anwendung nicht zu wässern, da das Thiocyanat in der Emulsionsschicht bleiben muß. Es gab mal eine angeblich "wissenschaftliche" Studie zur Langzeitstabilität von Silberbildern, nach der AGFA Sistan angeblich unwirksam war, allerdings hatte der Verfasser der Studie entgegen der AGFA-Anwendungsvorschrift die Vergrößerungen nach der Anwendung noch einmal gewässert und damit den Effekt wieder zunichte gemacht.

    Bei Selentoner ist es wichtig, sehr gut fixierte und vor allem sehr gut neutral bis leicht alkalisch ausgewässerte Vergrößerungen zu verwenden. Am besten verwendet man das altbekannte Sodabad als Auswässerungebeschleuniger. Wenn Säurespuren im Papierfilz zurückbleiben, kann es fleckige Tonung zur Folge haben. Andel Adams verdünnte seinen Toner mit Kodak Hypo Clearing Agent (HCA), das besteht überwiend aus Natriumsulfit, etwas Natriummetabisulfit, Natriumcitrat und Na4EDTA. Das wird heute aber nicht mehr unbedingt als nötig betrachtet, Adams ging wohl auch später davon wieder weg. Nach dem Tonen wässerte er seine Prints 1 Stunde in fließendem Wasser. Ob es jetzt wirklich 1 Std. fließende Wässerung sein muß, sei mal dahingestellt, aber auf jeden Fall sollte mindestens genau so sorgfältig gewässert werden, wie ohne Tonung. Der Selentoner enthält nämlich neben Natriumselenit und Natriumsulfit auch eine ziemlich hohe Menge an Ammoniumthiosulfat (= Schnellfixiersalz) und das muß unbedingt raus aus dem Papierfilz.

    Der Effekt einer Selentonung zur Erhöhung der Archivfestigkeit ist übrigens nicht ganz unumstritten, eine braune Schwefeltonung wird als dauerhafter betrachtet. Wenn schon, dann sollte durchgetont werden, allerdings mit der damit verbundenen Bildtonveränderung. Aber wir sprechen hier vermutlich über Zeiträume, die ein oder zwei Menschenleben weit übersteigen.

    Viele Grüße, Jochen